
"Offenheit ist lernbar"
Ricarda Kindt, Ressortleitung Pädagogik in der Freien Waldorfschule in Aaachen, Vorständin und Klassenlehrerin
Welche beruflichen Stationen führten Sie an die FWSA?
Ursprünglich studierte ich in Hannover Klassische Musik und im Anschluss BWL nahe Bonn. In dieser Zeit arbeitete ich bei einer Drogeriekette. Nach einem Jahr spürte ich: Das ist nicht mein Weg. Künstlerisch und mit Kindern zu arbeiten, ist meine Passion.
Ich machte in Stuttgart meinen Master in Waldorfpädagogik und kam 2014 an die FWSA; zunächst als Assistenzlehrerin mit einigen Musikstunden, später als Klassenlehrerin. Seit knapp drei Jahren bin ich Teil der Schulleitung, die sich aus drei pädagogischen Vorständen, einem Personal- und einem Finanzvorstand zusammensetzt. Hier bin ich im Ressort Pädagogik tätig.
Welche Aufgaben gehören dazu und was begeistert Sie daran?
Im Schulalltag bedeutet das, vieles gleichzeitig im Blick zu behalten, etwa Stunden- und Vertretungspläne, Aufsichten und alles, was auf den Tisch kommt, wenn es kompliziert wird. Dazu gehören Konflikte, schwierige Gespräche und Lösungssuche.
Auch die Frage, wie sich Schule weiterentwickeln und Qualität sichern lässt. Wir gestalten aktiv mit, erarbeiten Konzepte, planen Fortbildungen und führen Mitarbeiter:innengespräche. Was mich begeistert, ist, jungen Menschen dabei zu helfen, ins Leben zu finden, individuelle Schritte zu gehen und sie auf ihrem Weg zu begleiten.

Ricarda Kindt (4. v. l.) mit Kolleg:innen in einer Konferenz
Wie würden Sie die FWSA beschreiben?
Seit 1985 ist vieles gewachsen und hat sich bewährt, etwa der Martinsbasar, der seit rund 30 Jahren stattfindet und weit über die Schulgemeinschaft hinaus Menschen anzieht. Zugleich erlebe ich die FWSA als offen, beweglich und zukunftsgewandt. Starre Tradiertheit passt nicht zu uns. Wir empfinden uns als progressiv und gehen eigene Wege. Dieser frische Geist prägt unser Selbstverständnis. Wir sind ein Ort mit Tradition, aber keiner, der sich in ihr einrichtet.
Was sind die größten Herausforderungen und schönsten Momente?
Menschen zu erreichen, mit ihnen in Kontakt zu treten und gemeinsam einen Weg einzuschlagen, den alle mitgehen können, das ist herausfordernd. Den richtigen Ton zu treffen, kostet Energie. Aber Verständnis füreinander zu entwickeln und respektvolle Offenheit zu pflegen, kann man lernen. Das bringt alle weiter. Die schönsten Momente entstehen, wenn ein Gegenüber spürt: Ich werde verstanden. Wenn gemeinsam etwas gelöst wurde. Wenn ein Kind merkt, dass ein Gespräch gut war und danach ein nächster Schritt möglich ist. Dann spüre ich, wofür ich diese Arbeit mache.
Welche Entwicklungen beschäftigen Ihre Schule derzeit besonders?
Wie viele Schulen stehen auch wir vor großen Veränderungen. Besonders beschäftigt uns die Suche nach Lehrkräften. In den vergangenen fünf Jahren sind im Zuge des Generationswechsels rund 30 Lehrer:innen in Rente gegangen. Das aufzufangen, ist eine große Aufgabe. Heute lernen 559 Schüler:innen bei uns, unterrichtet von rund 50 Lehrenden, davon 34 in Vollzeit. Unser Team ist jung und engagiert, die Personallage aber ausbaufähig, auch weil wir inzwischen zweizügig unterrichten. Ich hoffe, dass in fünf Jahren mehr Ruhe einkehrt.
Welche Bedeutung hat Gemeinschaft an Ihrer Schule?
Gemeinschaft spielt eine große Rolle: Beim Martinsbasar, bei Flohmärkten, der Gartenarbeit oder dem Streichen der Gebäude. Viele Projekte leben davon, dass die Schüler:innen, Mitarbeiter:innen und Eltern gemeinsam anpacken, oft an Wochenenden oder in den Ferien. Ein gepflegtes Umfeld trägt dazu bei, dass sich alle wohlfühlen.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft Ihrer Schule?
Dass es viele weitere energiegeladene, fantasievolle und gestaltungsfreudige Lehrende gibt. Die Kinder sind da – sie freuen sich über eine liebevolle Begleitung durchs Schulleben.
Seit wann ist die FWSA Mitglied bei den HK und welche Produkte nutzen Sie?
Seit August 1988 sind wir Mitglied und nutzen die lebenslange Altersrente für alle Mitarbeitenden; teilweise auch die Hinterbliebenen- sowie die Erwerbsminderungsrente.
Warum haben Sie sich für die HK entschieden?
Das nachhaltige Werteverständnis der HK passt sehr gut zu uns. Wichtig ist uns eine verantwortungsvolle und zukunftsorientierte Geldanlage. Die HK kennen die Strukturen und Herausforderungen der Waldorfschulen, das ist ein großer Vorteil. Wir begegnen uns auf Augenhöhe und schätzen unsere persönlichen, verlässlichen Ansprechpartner. Zudem freuen wir uns auf einen weiterhin guten, nahbaren Kontakt.
Iris Sturm im Gespräch mit Ricarda Kindt
