
„Ein inklusiver Lernort zum Wohlfühlen.“
JÜRGEN GÜNTHER, GESCHÄFTSFÜHRER DER FREIEN WALDORFSCHULE IN EVERSWINKEL UND VORSTAND IM WALDORF-FÖRDERVEREIN IM KREIS WARENDORF
Seit wann arbeiten Sie an der FWSE und wie gestaltete sich die Anfangszeit?
Als Geschäftsführer arbeite ich dort seit Januar 2003 und seit 2012 bin ich Kaufmännischer Vorstand der Schule. Ehrenamtlicher Vorstand des Fördervereins wurde ich 2011. Eine Bildungseinrichtung mit dem damals recht neuen Inklusionskonzept mit aufbauen zu dürfen, war eine große Herausforderung: Eine Waldorfschule im Münsterland mit dem Schwerpunkt Landwirtschaft und Inklusion wurde kritisch beäugt, zumal dieses Schulsystem erst ab Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention im Jahr 2009 rechtlich verankert wurde. Wir waren also unserer Zeit voraus.
Ich war damals 40 Jahre alt und überzeugt davon, dass wir den richtigen Weg einschlagen – es sollte sich bewahrheiten. Trotz aller menschlichen und bürokratischen Hürden sowie finanzieller Engpässe bauten wir auf einem rund 25.000 m² großen Gelände ein kleines Schuldorf mit zehn Gebäuden. Dank der vielen engagierten, ehrenamtlichen Helfer aus der Elternschaft und dem immer größer werdenden Kollegium schufen wir inmitten der Natur einen besonderen Lernort zum Wohlfühlen. Ein kindgerechtes Lernumfeld ist wichtig, die Inklusion dabei maßgebend. Wir öffnen jederzeit unsere Türen für Neues und entwickeln uns stetig weiter.
Wie würden Sie die FWSE beschreiben?
Bei uns stehen der Mensch und seine individuelle Entwicklung im Mittelpunkt. Jeder, der hierherkommt, staunt über die Schönheit der Schule mit Bauernhof und Schulgarten. Sie ermöglicht ein Leben und Lernen mit und in der Natur, lädt ein zum Entdecken und Bewegen. Dass wir bereits in der Unterstufe die Landwirtschaft und Pflege von Flora und Fauna in den Unterricht integrieren, hat Vorbildcharakter.
So befindet sich etwa der Stall mit unseren Nutztieren, die die Schüler:innen aus der Unterstufe versorgen, zwischen der ersten und zweiten Klasse. Dahinter erstrecken sich unsere Streuwiese und die Landwirtschaft. Alles sehr idyllisch.
Was Ihnen besonders wichtig ist, vielleicht anhand eines Leitsatzes?
Getreu dem Motto „Mit Kopf, Herz und Hand" war und ist es mir besonders wichtig, das Bestmögliche für die Gemeinschaft und die Zufriedenheit des Einzelnen zu erreichen! Dem bleiben wir seit 25 Jahren treu.
Unter Berücksichtigung des sozialen Leitbildes der Dreigliederung im sozialen Organismus, also der Brüderlichkeit im Wirtschaftsleben, der Gleichheit im Rechtsleben und der Freiheit im Geistesleben, versuche ich die vielfältigen Aufgaben zu meistern. Insbesondere die Sicherstellung der sozialen Arbeit und Bildung durch eine solide Finanzierung sowie eine gut geführte Verwaltung sind für mich essenziell.
Welche Produkte der HK nutzen Sie?
Seit der Gründung 2000 sind unsere Kolleg:innen in der Pensionskasse der HK und dort werden wir nach heutigem Stand auch zukünftig bleiben. Im Jahr 2004 reisten Rembert Rauchbach, damaliger Vorstand und Geschäftsführer der HK, und seine Mitarbeiterin Regine Breusing, die später selbst Vorständin wurde, zu einer unserer Kollegiumssitzungen mit einem Bulli an, holten ihre Laptops raus und stellten uns das Konzept ihres Waldorf-Versorgungswerkes vor. Die Vorteile einer eigenen, beamtenähnlichen Vollversorgung überzeugten uns rundum; bis 2016 waren wir Mitglied im Versorgungswerk.
Gibt es eine besonders erwähnenswerte Begebenheit?
Ja, die gibt es: In unserem Entwicklungsprozess unterstützten uns die HK 2006/07 mit der Finanzierung eines externen einjährigen Coachings über das Projekt „Individuelle Initiative und Gesund-heit" mit Jutta Hodapp. Im Anschluss an das sehr hilfreiche Beratungsjahr entwickelte sich tatsächlich eine langjährige Zusammenarbeit (über 10 Jahre) mit der Coachin. Eine wichtige Zeit. Und zum anderen spendeten die HK aktuell zu unserem 25. Jubiläum 1.500 Euro für eine Osmoseanlage. Das ist großartig! Damit steht uns nun hochreines Trinkwasser für alle in der Mensa zur Verfügung.
Was schätzen Sie an der Zusammenarbeit mit den HK?
Die jetzigen Mitarbeiter:innen und Vorständ:innen haben mein volles Vertrauen. Es ist immer jemand da, der freundlich und hilfsbereit Auskunft gibt. Alles, was bei den HK entschieden wird, erfolgt unter dem Duktus ethischer, sozialer und nachhaltiger Kriterien. Auch die über das Alltagsgeschäft hinausgehende Unterstützung von erkrankten Kolleg:innen, etwa in Form einer Kur, schätzen wir sehr. Wir pflegen ein ausgesprochen nettes, nahbares Miteinander!
Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Das ist einfach: Alles soll so gut bleiben, wie es ist. Die Ziele sollten weiterhin unter den genannten Kriterien aufrechterhalten und weiterentwickelt werden.
Iris Sturm im Gespräch mit Jürgen Günther
Jürgen Günther
ist studierter Diplom-Soziologe.
Für seine Funktion als Geschäftsführer
absolvierte er eine Weiterbildung
zum Betriebswirt für soziale Berufe.
