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    Aus dem WIR Infobrief der Hannoverschen Kassen
    Ausgabe 73  01|26

    "Wir möchten Vorbild sein"

    Das Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe gehört zu den wenigen Kliniken in Deutschland, die moderne Akutmedizin, anthroposophische Heilkunst und konsequenten Klimaschutz verbinden. Es ist auf dem Weg, klimaneutral zu werden. Dr. Christian Grah berichtet über das Projekt „Climate Friendly Hospital" (CFH).

    Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe in Berlin-Kladow

    Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe in Berlin-Kladow

    Worin liegt die Besonderheit Ihrer Klinik?

    Havelhöhe ist das erste Gemeinwohl-Ökonomietestierte Krankenhaus Deutschlands. Wir stehen für professionelle Medizin, menschliche Zuwendung und gesellschaftliche Verantwortung; in unserem Forschungsinstitut arbeiten wir auf dem neuesten Stand der Wissenschaft. Zudem sind wir akademisches Lehrkrankenhaus der Charité. Wir fühlen uns den Menschen und unserem Planeten gegenüber verpflichtet, etwas Sinnvolles zu tun.

    Welche Ziele verfolgen Sie?

    Wir möchten die wissenschaftlich fundierte Medizin zusätzlich integrativ gestalten, indem wir die Selbstheilungskräfte der Patient:innen stärken und sie individuell auf ihrem Genesungsweg begleiten, etwa mit Bewegungs- und Kunsttherapien sowie nachhaltiger Ernährungsberatung und pflegerischen Anwendungen. Wir klären darüber auf, dass naturheilkundliche Medikamente auch Klima- und Naturschutz bedeuten. Ein Gegenbeispiel ist das rezeptfrei erhältliche Schmerzmittel Voltaren (Diclofenac), das als Salbe nur eine sehr geringe medizinische Wirkung aufweist, jedoch großen Schaden in der Tierwelt anrichtet und damit eine Bedrohung der Biodiversität darstellt. Die Heilpflanze Arnika dagegen hat eine gute Wirkung und könnte sich als klimafreundliche Alternative erweisen. Um diese Aspekte weiterzuverfolgen, braucht es den Dialog mit allen Verantwortlichen. Dass wir mit unseren Patient:innen und allen Stakeholdern ins Gespräch kommen, hat Pilotcharakter. So kommen wir unserem übergeordneten Ziel, den Planeten zu schützen und gleichzeitig Beschwerden zu lindern, Stück für Stück näher.

    Wie entstand das Projekt CFH? 

    Wir fragten uns: Wie kann unser Krankenhaus mit 14 Fachabteilungen und jährlich ca. 22.000 stationären und ambulanten Patient:innen im normalen Alltagsbetrieb ohne relevante Fördergelder für Klimatransformation wirksam etwas verändern? Und wie können wir rund 1.000 Mitarbeiter:innen motivieren mitzuwirken? Veränderungen erreicht man nicht, indem man vorsichtig am Rand herumwatet; jeder kann einen kleinen Beitrag dazu leisten. So entwickelten wir gemeinsam mit Transformationswissenschaftlern ein 10-Jahres-Projekt: Das „Climate Friendly Hospital 2020–2030". Damit könnte Havelhöhe deutschlandweit als Vorbild für nachhaltige Krankenhäuser wirken. Dort anzufangen, wo der Gesundheitsgewinn für Patient:innen mit gleichzeitiger Klima- und Nachhaltigkeitsverbesserung Hand in Hand geht, ist unser oberstes Gesetz. Wir gründeten ein interdisziplinäres Klima-Team, das sich für die erfolgreiche Klimatransformation in Krankenhäusern stark macht, und bauten ein Netzwerk für klimafreundliche Krankenhäuser (KLIMEG) mit auf; heute gehören über 320 Krankenhäuser dazu.

    Welche Schwerpunkte haben Sie sich gesetzt?

    Ein Hauptprojekt ist der Umstieg auf nachhaltige Energieproduktion- und Versorgung, etwa durch Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen und neue Technologien wie Klimadecken. Zusätzlich bräuchten wir noch Windkraft, da Krankenhäuser viel Energie benötigen. Aber ein eigenes Windkraftrad im Wohngebiet aufzustellen, ist kompliziert. Daher erarbeiten wir gerade eine geeignete Lösung für das ganze Quartier. Ein weiterer Beitrag zur Transformation im Gesundheitssystem ist „UKAM", Umwelt- und Klimafreundliche Arzneimittel- und Medizinprodukte, um auf klimaschädliche Treibmittel bei Medikamenten zu verzichten – etwa bei Asthma- und COPD-Mitteln, die für rund 10 Millionen Menschen in Deutschland benötigt werden. Anstelle eines Sprays, das häufig nicht unbedingt nötig für die Patient:innen ist, empfehlen wir Inhalationspulver, das ohne größeren Klimaschaden genutzt werden kann. Mit unserem „Aktionsbündnis Inhalativa" treiben wir als Pilotkrankenhaus das Projekt voran. Es entstand unter dem Dach der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG), die heute über 30 Partner aus Medizin, Forschung und Krankenkassen aufweist. Weitere Themen bearbeiten wir sukzessive, dazu gehören etwa Mobilität, Abfalltrennung, Kreislaufwirtschaft oder Wassernutzung. Viele kleine Schritte, die wir gemeinsam mitverändern können.

    Wie finanzieren Sie die Projekte?

    Die gemeinnützige Aktiengesellschaft unterstützt uns finanziell durch Spendenkampagnen. Über Spenden und Patenschaften finanzieren wir zusätzliche Projekte, die nicht durch öffentliche Gelder gefördert werden, etwa Gebäudesanierungen oder Nachhaltigkeitsinitiativen. Hierfür entwickelten wir ein besonderes Spendensystem: Unterstützer:innen können symbolisch Quadratmeter unseres Campus zu je 50 Euro übernehmen und werden auf Wunsch auf der digitalen Patenschaftswand genannt. Die Hannoversche Solidarwerkstatt e. V. der Hannoverschen Kassen übernahm kürzlich eine Patenschaft im Wert von 1.000 Euro im Bereich des Kraftzentrum-Familienforums. Darüber haben wir uns sehr gefreut.

    Iris Sturm im Gespräch mit Dr. Christian Grah

    Dr. Christian Grah, leitender Arzt Pneumologie und Lungenkrebs in Havelhöhe

     

     

     

     

     

     

    Dr. Christian Grah, 
    leitender Arzt Pneumologie und Lungenkrebs in Havelhöhe, 
    ist Initiator von „Climate Friendly Hospital".

    Mehr Infos zum konkreten Mitwirken: 
    www.havelhoehe.de/praxisleitfaden-klimatransformation 

    Mehr Infos zur Spendenkampagne: 
    www.gag-havelhoehe.de

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