
Normal ist die Vielfalt
Weide-Hardebek erhielt 2004/2005 fünf Darlehen von den Hannoverschen Kassen, die zur Zwischenfinanzierung für den Bau und Ausbau von Gebäuden der Hofgemeinschaft eingesetzt wurden.
Wie würden Sie die Höfe und ihre Gemeinschaft beschreiben?
Hartwig Ehlers (H.E.): Wir arbeiten an vier Standorten: Hof Weide (1980), die Siedlung Hardebek (1987), später Hof Johanneskamp und das Haus am Wiesenweg. Alle Standorte sind über die Ländereien miteinander verbunden. Die biologisch-dynamische Landwirtschaft ist unser Grundimpuls. Charakteristisch für unsere Arbeit ist, dass wir Sozial-arbeit, Landwirtschaft und Gärtnerei vereinen. Dazu kommen Bauhandwerk, Hauswirtschaft und weitere tragende Bereiche. Außerdem haben wir einen Bildungsbereich und seit Juni 2023 einen anderen Leistungsanbieter (aLA), der Menschen mit Hilfebedarf Beschäftigung ermöglicht. Ziel unserer sozialtherapeutischen Arbeit ist die Integration in reale Lebens- und Arbeitsprozesse. Unser Impuls lautet: Normal ist die Vielfalt.


Hartwig Ehlers, Geschäftsführer, Die Bewohner:innen des Hofes Weide
Gründer der Hofgemeinschaft
Susanne Aschkar (S.A.): Die Menschen, die hier arbeiten und leben, spielen eine wesentliche Rolle für das Funktionieren unserer Gemeinschaft. Dazu zählen etwa 60 Bewohner:innen und 55 Mitarbeitende. Ob mit oder ohne Assistenzbedarf: Alle werden in das Gemeinwesen einbezogen. Das Interesse am Hof ist das verbindende Element. Jede:r trägt mit seiner Aufgabe dazu bei, dass Hof und Gemeinschaft funktionieren. Die Bewohner:innen leben das vor – sie gestalten ihr Zuhause jeden Tag neu und können Konflikte schnell hinter sich lassen. Dem Hof soll es gut gehen, das trägt jede:r in sich.


Susanne Aschkar, Die Bewohner:innen der Siedlung Hardebek
Verwaltungsleitung,
Leitungs- und Koordinationskreis
Welche Bedeutung haben Hofladen, Hofcafé, Bäckerei und solidarische Landwirtschaft für Sie und die Region?
S.A.: Die Menschen aus der Umgebung können an unserem Leben teilhaben. So bleiben wir lebensnah erlebbar. Es ist gut zu sehen, dass sie Interesse an unseren vielfältigen Biowaren haben. Wir bieten ein hochwertiges Vollsortiment, etwa vielfältiges Gemüse, Hausgemachtes aus der Hofküche, Backwaren und Torten aus der hofeigenen Bäckerei, Fleisch- und Wurstwaren von unseren Tieren, Naturkosmetik von Dr. Hauschka und Weleda, Wein, Käse und vieles mehr. Zwei Hühnermobile mit je 220 Hühnern sorgen für tagesfrische Eier.
H.E.: Der Biomarkt ist groß und unsere Waren sind nicht nur ein Wellnessangebot, sondern wirtschaftlich zunehmend wichtig für unsere Hofgemeinschaft. Verbraucherinteresse und Sichtbarkeit sind für das Bestehen des Hofes elementar. Dazu tragen unser Hofladen und unser Familien-Erlebnis-Café als Orte der Begegnung bei. Wir veranstalten Hoffeste für alle Menschen und auf Anfrage Geburtstage oder Firmenevents.
Welche Bildungsangebote gibt es?
S.A.: Wir sind eine Einrichtung der Eingliederungshilfe. Unsere Leistungsangebote für Menschen mit Assistenzbedarf sind die besondere Wohnform, der andere Leistungsanbieter (aLA) und die Maßnahmen der Tagesförderung. Wir bilden in Landwirtschaft, Gärtnerei, Hauswirtschaft, Bäckerei und Verwaltung aus. Zusätzlich gibt es berufliche Bildung für Menschen mit Assistenzbedarf. Mitarbeiter:innen ohne Fachkraftstatus ermöglichen wir Zusatzqualifizierungen. Unsere Bildungsakademie bietet eine dreijährige Weiterbildung zur sozialtherapeutischen Fachkraft für Milieubildung und Teilhabe (FAMIT) an. Viele unserer Fachkräfte haben Doppelqualifikationen – einen Grundberuf plus sozialtherapeutische Zusatzausbildung und erstmals ab Januar 2027 eine halbjährliche Ausbildung zur Betreuungskraft. Das Wunderbare ist: Sie alle sind nach der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung (AZAV) zertifiziert.
Was verbindet Sie mit anderen Höfen?
H.E.: Die Eigenständigkeit der Höfe zu erhalten, ist uns wichtig. Zudem tauschen wir uns in der Assoziation „dieHÖFE" aus, die zwölf Gemeinschaften umfasst. Wir haben einen großen Zusammenhalt, der für alle befruchtend sein kann. Uns verbinden Demeter-Landwirtschaft und gemeinnützige Trägerschaft.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
H.E.: Die Beziehung zum Hof ist ein „Geheimnis", das jede:r für sich entdecken muss. Unsere Vielfältigkeit ist eine Herausforderung, die man nur gemeinsam gestalten kann. Unsere Höfe sind schön hergerichtet, und die Menschen mit Hilfebedarf fühlen sich hier heimisch. Das zeigt mir, dass unser Weg richtig ist. Ich wünsche mir, dass das Zusammenwirken der Generationen auf unseren Höfen Bestand hat.S.A.: Wir entwickeln Weide-Hardebek Hand in Hand weiter. Wie kann ich das so mitgestalten, dass ich mich wohlfühle? Das meistern wir nur zusammen. Eine gemeinsame Vision und das sichere Gefühl, niemals allein zu sein, sind unser Fundament. Wenn ich über das Gelände gehe und den Menschen begegne, spüre ich an ihrer positiven Ausstrahlung: Dies ist wahrhaftig ein guter Ort.
Iris Sturm im Gespräch mit
Hartwig Ehlers und Susanne Aschkar
